News, 29.06.2012

WildUrbs auf Reisen.

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    Wie alle anderen Menschen auch, freuen sich natürlich auch WildUrbs auf den Urlaub. Die einen, weil sie sich eine Auszeit vom wild sein nehmen wollen, die anderen, weil sie besonders wilde Urlaube der besonderen Art erleben wollen. Doch, warum in die Ferne schweifen, wenn das wilde liegt so nah? Einmal auf den Zugfahrplan geschaut, stellt ein WildUrb rasch fest, dass eine Fahrt nach Arad (Rumänien) in etwa gleich lange dauert, wie eine Fahrt nach Bregenz. Warum also nicht nach Transilvanien fahren und den Unterschieden in Punkto Nachhaltigkeit auf den Zahn fühlen?

    So ähnlich zumindest hat sich das WildUrb Texter Martin gedacht und ein paar Tage der wilden Art in Transilvanien verbracht. In Transilvanien von touristischen Trampelpfaden zu sprechen, ist zwar grundsätzlich schon ein netter Euphemismus, aber dennoch: Mehr oder weniger lässt sich schon auch noch einmal individuell entscheiden.

    Grundsätzlich gilt: Auch in Rumänien kommt man praktisch überall ohne Auto hin. Und: Man erspart sich Slalomfahren und Vollbremsungen auf der Straße. Warum? Weil die Straßen durchaus häufig achsengefährdende Schlaglöcher  aufweisen und Pferdefuhrwerke natürlich archaische Gefühle auslösen. Hinter Kurven fahrend, würde aber die Feinstaubbelastung durch häufige Vollbremsungen dennoch erheblich steigen.

    Das erste, was auffällt, sobald man ein Bein auf dem Bahnhof abstellt: Die üblichen Brennstoffe dürften wohl Holz und Holzkohle sein. Für die Nase angenehm, denn es riecht eigentlich wie in einer Großgrillerei. Jedenfalls bieten sich für die/den nachhaltige/n Abenteuerreisende/e folgende Möglichkeiten der Mobilität an:
    - die rumänischen Staatsbahnen
    - das Fahrrad
    - und natürlich: GEHEN!!!

    Beim GEHen gibt es aber eine Einschränkung, die WildUrbs sonst eher nicht kennen, zumindest, wenn sie in der Peripherie und nicht in der Stadt GEHen: Wie schon die Pferdekarren auf den Straßen sind auch die Wanderschafherden sehr kulinarisch fürs Auge. In der Nacht sind aber Wanderschafhirten selten auf WildUrbs eingestellt, sondern eher auf Schafdiebe. Im Fall des Falles hilft aber ein Zweihundert-Meter-Sprint mit Zielhürde Lattenzaun sehr wohl.

    Um aber auf die eigentlichen Unterschiede bezüglich der Nachhaltigkeit zurück zu kommen. Die Nahrungsmittelversorgung kann durchaus als regional bezeichnet werden. Das hat aber wenig mit Nachhaltigkeitsentwicklung zu tun, sondern ist ein Factum der Ökonomie. Selbst der Gastgeber von WildUrb Martin, ein reformierter Dorfpfarrer, dem seit der Revolution 1989 etwas der Lebenssinn abhanden gekommen ist, kann von seinem Gehalt nicht Leben. Er ist zu 20% Pfarrer und geschiedener Ehemann und zu 80% Subsistenzbauer.

    Das heißt aber auch, dass bei längerem Aufenthalt die Romantik entschwindet, dass früher alles besser und einfacher gewesen sei. Richtig ist, dass das frisch gelegte Frühstücksei und das Eigenanbau-Gemüse natürlich auch so schmeckt. Genauso schmecken dem mitteleuropäischen WildUrb die wahrgenommenen Beschwerlichkeiten.

    Insgesamt: Der Vergleich ob der Bestelltheit der Nachhaltigkeitsentwicklung fällt dem geschulten WildUrb-Auge sofort auf. Während in Mittel- und Westeuropa Städte- und Raumplanungsbüros sowie politische Entscheidungsträger/innen Nachhaltigkeit intensiv in unserer Wahrnehmung installiert haben, fehlt diese Wahrnehmung in Rumänien. Und das fällt sofort af. Nichtsdestotrotz, in Rumänien exisiert bereits ein Rat für Nachhaltige Entwicklung, dieser wird auch von der UNDP forciert. In Kinderschuhen zu stecken, heißt auch, die Fehler der anderen nicht zu machen. Und das wäre wahrscheinlich dann last but not least gar nicht das Schlechteste.

    Von: Martin Just

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