News, UrbTV, 30.05.2011

URBert & Friends im WUK.

    „Wanns ned sofort verschwind´s hol i die Polizei...“ so der Kommentar einer charmanten Josefstädter Geschäftsbesitzerin, die uns mit engem Blick verscheucht, als wir mit unseren Masken für einen Augenblick vor ihrem Schaufenster verweilen. Wir tun gar nichts. Wir stehen nur da und schauen.

    Die Premiere unserer ersten großen Maskentheaterproduktion steht vor der Tür und wir sind auf PR-Tour mit den vier „Amour Fou“-Masken: Wir gehen durch die Strassen Wiens, lassen uns treiben, interagieren dabei mit den Passanten, verteilen Flyer, improvisieren.

    Ich bin ohne Maske unterwegs, mache Fotos und passe ein wenig auf meine Masken tragenden Kollegen auf. Das macht Sinn. Schließlich sieht und hört man unter so einer Maske kaum etwas und die Stadt ist nicht für Maskenträger gebaut: an jeder Ecke Verkehrsschilder und andere Hindernisse. Mir tun heute noch die Rippen weh, wenn ich an Urberts Ausflug in der Mariahilferstrasse und den Aufprall im Museumsquartier, an dem, nicht in meinem Blick liegenden, Geländer denke...

    Ohne Maske fühle ich mich ein wenig wie ein Kindergärtner, der seinen Sack voll Flöhe zusammenhalten will. Die Maskenspieler bewegen sich nicht schnell und schon gar nicht geradlinig. Ständig muss ich nach einem der 4 Ausschau halten, der irgendwo eine Kleinigkeit entdeckt hat und dabei ist, daraus eine abendfüllende Szene zu entwickeln. Das eingeschränkte Sichtfeld ist ohne Zweifel eine starke Beschränkung, gleichzeitig aber auch ein großer Gewinn: Wie bei Kindern geht der Blick automatisch mehr ins Detail, in den Ausschnitt – die Wahrnehmung wird fokussierter, es gibt auf einmal so viel zu entdecken, Dinge, an denen wir ohne Maske vorbei gehen würden.

    Die Masken lösen Reaktionen aus, nicht immer positive, wie wir an der Josefstädter Geschäftsinhaberin feststellen konnten, aber meistens. Kinder lieben sie meistens. Entspannte Touristen auch. Menschen mit wachem Blick und Muße ebenso. Hektische, „feine“ und sehr wichtige Leute reagieren hingegen öfters etwas verstört... Masken machen etwas mit uns. Wir assoziieren in die starren Gesichtszüge unsere Erfahrungen. Die Maske kann uns nur das spiegeln, was wir kennen - das was wir lieben oder was wir fürchten. Und es bleibt für den Betrachter ein Geheimnis, wer dahinter steckt. Wenn man sich darauf nicht einlassen mag, kann das befremden, wenn man sich darauf einlässt, dann wird die Maske schnell lebendig, und unser inneres Kino geht los. Im Idealfall vergesse ich Maske und Maskenspieler und erlebe eine Figur, die meist vieles mit mir gemeinsam hat.

    In „Amour Fou“ geht es um drei Männer Anfang sechzig, die es bis jetzt verpasst haben, ihr Leben zu leben. Ihr Sichtfeld ist auch stark eingeschränkt. In einem unsinnlichen Büro arbeiten sie die letzten Tage vor ihrem herbei gesehnten Ruhestand ab. 30 Jahre die selben Handgriffe, 30 Jahre Akten, Stempel, Locher Hefter. Doch dann taucht unerwartet eine junge Kollegin auf, die die Abteilung modernisieren soll. Das irritiert das eingespielte Männertrio. Nach anfänglichen Revierkämpfen verlieben sich die Büroarbeiter. Die Verstörung und der Bruch ihrer Routine lassen sie aufwachen und lebendiger werden. Längst vergessene Träume und Sehnsüchte ihrer Jugend tauchen auf. Aus Altersstarrsinn wird Jugendwahn und jetzt, wo sie das Leben wieder spüren, wollen sie auf einmal doch noch ein großes saftiges Stück vom Kuchen....

    Google-Maps


    HINGEHEN!

    "Amour Fou"
    das erste Stück von Scaramouche

    mit: Florentina Kubizek, Anne Wiederhold, Peter Bocek und Florian Tröbinger
    Idee, Regie und Masken: Martin Schwanda (URBert)
    Dramaturgie: Thomas Richter
    Musikkomposition: Klaus Karlbauer
    Ausstattung: Christian Weissenberger
    Assistenz: Julia Karnel

    Termine 
    Fr, 03.06.
    Mo, 06.06. – Do, 09.06.
    Sa, 11.06.2011 

    Beginn jeweils 20:00 
Uhr

    Aufführungsort
    WUK Saal | Währinger Straße 59 | 1090 Wien

    Karten
    Preis: € 8 - 13,--
    Vorverkauf: www.wuk.at 
    +43-1-401 21-70 , tickets(at)wuk.at


    WUK - KULTUR UND KUNSTWERKSTÄTTE
    Das WUK ist mit seinen 12.000m2 Fabrikgelände aus der Gründerzeit eines der größten soziokulturellen Zentren Europas. Im 19. Jahrhundert als Lokomotivfabrik erbaut wurde das Gebäude 1981 vom Verein zur Schaffung offener Kultur- uns Werkstättenhäuser friedlich erkämpft.

Impulsgebend waren die Ideen und Forderungen der 70er Jahre nach Verwirklichung eines alle Lebensbereiche umfassenden Kulturbegriffs.
     
    Heute ist das WUK mit seinen 12.000m² ein Ort für Kunst- und Veranstaltungspräsentationen aller Sparten, Heimstätte für rund 130 Gruppen und Einzelinitiativen, organisiert in 7 autonomen Bereichen sowie Träger von arbeitsmarktpolitischen Ausbildungs- und Beratungsprojekten.

    Das WUK versteht sich als offener Kulturraum, als Raum für die gelebte Verbindung von Kunst, Politik und Sozialem. Darin manifestiert sich ein erweiterter Kulturbegriff, der über die Bedeutung von Kultur im Alltagssprachlichen hinausweist.

    Mehr Infos hier!

    Von: Martin Schwanda

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