News, UrbTV, 15.06.2011

Seelenheil im Heumühlviertel.

    Immer wieder lasse ich mich überraschen, welche Gegenden, ja welche WildPlaces mir die URBs, die ich um ein Interview bitte, zeigen. Ich treffe Michael Felten, den Geschäftsführer von pro mente - Wien in seinem Büro in der Grüngasse. Wir stehen am Dachbalkon und blicken hinunter in den urbsengrünen Innenhof mit vielen Blumen und Bäumen. Hier möchte man gleich wohnen, hätte man nicht schon eine schöne Wohnung, die man liebt.  

    Google-Maps

    Michael Felten geht mit mir zur Heumühlgasse 9. Denn hier befindet sich ein öffentlicher Durchgang, der uns zur Heumühle führt. Michael zeigt uns den Durchgang und führt uns zum dahinterliegenden pro mente - Bau, einem grünen Haus inmitten von Bäumen und Grünzeug. Ein echte Wohlfühlort, an dem ehrenamtliche Mitarbeiter von Promente Wien zum Wohle sozialer und psychischer Gesundheit beitragen.  

    Wir erfahren ausserdem, dass die Heumühle der vermutlich älteste Profanbau Wiens ist. Sie befindet sich, heute wunderschön renoviert und als Seminar und Veranstaltungsräume nutzbar gemacht, am Ende der Grüngasse im 4. Wiener Gemeindebezirk in einem Innenhof, welcher zur Heumühlgasse Nr. 9 gehört.  

    Teile der erzbischöflichen Heumühle stammen aus dem 14. Jh., wobei der Ursprung des Gebäudes jedoch ins 13. Jh. zurückgeht. Ein Seitenarm des Wienflusses, der Mühlbach, hatte die Mühle gespiesen bis er im Jahre 1856 von der Stadt Wien aus hygienischen Gründen zugeschüttet wurde. Einst gehörte die Heumühle (ursprünglicher Name vor dem 17. Jh. "Steinmühle") zur Grundherrschaft eines Bürgerspitals, welches als Heiligengeistspital erwähnt wurde.  

    Um 1528 brannte die Mühle aus, wovon heute noch Spuren festgestellt werden können. Um 1533 gelangte die Mühle unter Kaiser Ferdinand I. an das Bistum Wien. Im selben Jahrhundert entstanden mehrere Aus- und Umbauten, welche mitunter die Errichtung eines Vorhauses mit Küche, Backstube und Kammer umfasste. Trotz weiterer zahlreicher Veränderungen bestand der Mühlbetrieb der Heumühle bis ins bereits genannte Jahr 1856.
  

    Im Freihausviertel, so wird die Gegend hier bezeichnet, befand sich früher das Freihaus, Wiens erste und größte soziale Wohnhausanlage. 340 Wohnungen fanden darin Platz. Ebenfalls in der Anlage befand sich ein Theater, in dem Wolfgang Amadeus Mozarts "Zauberflöte" im Jahre 1791 uraufgeführt wurde. "Wolferl" dirigierte die Oper selbst. Auch heute noch legt man neben Geschäften Wert auf Kunst und Kultur, so haben sich viele Galerien in der Gegend angesiedelt. Straßennamen wie Schleifmühlgasse, Mühlgasse, Bärenmühle oder Heumühlgasse erinnern an eine Zeit, in der hier noch viele Müller ansässig waren. Durch die Zuschüttung des Mühlbaches gegen Ende des 19. Jahrhunderts konnten diese ihr Handwerk jedoch nicht mehr ausüben.  

    Auf dem Weg zum Sonnensegel, den Ateilier -und Galerieräumlichkeiten von pro mente - Wien zeigt mir Michael noch einen wichtigen Bezugspunkt in der Gegend. Den MN Copyshop mit der markanten Fassade, die einen abbiegenden 59A-Autobus darstellt. Hier kann man nicht nur Kopien anfertigen lassen, sondern sich auch begegnen. Brigitte Macho, die Inhaberin des MN Copyshops unterstützt dies seit 20 Jahren. Urbig! Wir gehen weiter die Schönbrunnerstraße entlang und biegen in die Pressgasse Nr. 28. Hier befindet sich das Sonnensegel. 

    Ein kreativer Ort, der Menschen ermöglicht, sich gemeinsam einer Sache zu widmen, die der Seele gut tut. Das Atelier unten fördert Kreativität, bietet Raum für Malgruppen und Künstler. Mich erinnern die vielen Pinsel, Leinwände und der unverkennbare Geruch von frisch angerührter Farbe an meine Schulzeit in Graz, als ich noch die Kunstschule besuchte. Oben in der Galerie wird Kunst ausgestellt. Unbedingt hingehen!  

    Am 17.06.2011 findet in der Heumühlgasse übrigens das Heumühlbogenfest statt. Mehr Info zum "Fest der Freiwilligen" findet ihr hier! 

    Von: Doris Rittberger

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