News, UrbTV, 02.03.2011

Die bunte Welt der Doris Knecht.

    Es gibt hier nicht alles, die Auswahl ist um vieles kleiner als am Naschmarkt, kein reich und schön, kein roter Teppich und gerade DAS macht ihn so liebenswert: den Brunnenmarkt im 16. Bezirk in Wien. Ich war mit Doris Knecht dort. An einem besonders kalten Tag und deshalb hatten auch nicht alle Standln offen. Es war unter der Woche noch dazu. Doris Knecht hat früher hier in der Gegend gewohnt, wie sie mir erzählt und sie kommt immer noch gerne her. Denn es ist diese Vertrautheit, die sie liebt und das Kent hat immer offen und der Yppenplatz ist im Sommer einfach sehr cool.

    Hierher gehen, wenn es einem im Museumsquartier oder am Naschmarkt zu schick oder zu voll ist, ist nicht nur cool, sondern vor allem URBIG. Denn am Brunnenmarkt/Yppenplatz kann man gemütlich ausspannen, den Kids beim herumtollen zuschauen und sich selber sehr, sehr wohl fühlen.

    Das Viertel rund um den Yppenplatz ist eine der buntesten Gegenden in ganz Wien. Seine Lebensader bildet der Brunnenmarkt, mit mehr als 170 Marktständen zwischen Thaliastraße und Ottakringer Straße ist er der größte Straßenmarkt Wiens. Fast nahtlos schließt der Yppenplatz daran an - hier besteht der Markt aus fixen Pavillons.

    Doris Knecht ist Kolumnistin bei der Stadtzeitung Falter und beim Kurier und wenn es was Wert ist zu lesen in diesen beiden Blättern, dann sicher die Kolumnen von Doris Knecht. Mit einer großen Leichtigkeit beschreibt sie das nicht immer leichte Leben, dabei entlockt sie einem immer zumindest ein wildes Schmunzeln. "So gut und locker schreibt, worüber man nicht spricht, nur die Knecht." (Zitat Daniel Glattauer) Im Interview erzählt Doris Knecht von Ihrer Vorliebe für chinesische Giftsuppen, wie sie die Instantsuppen aus dem Chinaladen nennt. Und nicht nur das, sie zeigt uns die Vorzüge einer ganz besonderen Gegend in Wien, sie zeigt uns ihren Lieblingsmarkt.

    Wir gehen also los und kommen bei einem von Doris Knecht`s Lieblingslokalen vorbei – dem Saigon, einem vietnamesischen Lokal in der Neulerchenfelder Straße 37. Wir biegen weiter in die Brunnengasse ein und finden uns in einer bunten Multikultiwelt wieder, die uns freundlich empfängt, aufnimmt und auf unserem Weg die ganze Brunnengasse hinunter begleitet. Hinter den üblichen Marktständen, auch mit viel Zeugs und Ramsch, dort hinter einem der Stände versteckt sich das Kent in der Brunnengasse 67. Doris erzählt, dass sie hier immer schon hingegangen ist, weil es einfach immer offen hatte, egal wann man auf die Idee kam, jetzt sofort und gleich ins Kent zu wollen.

    Der Brunnenmarkt hat den Vorteil, dass dieser Stadtteil noch nicht so in die Gentrifizierung gekippt ist und im Gegensatz zu vielen anderen Märkten in Wien, die im Zuge der städtischen Umstrukturierungsprozesse nur mehr als reich und schick gelten, zum Glück eine bunte Welt geblieben ist. Es gibt hier zwar keinen Rucola und andere „exotische“ Köstlichkeiten, aber dafür wunderbare Käsesorten, wie bespielsweise Doris Lieblingskäse, den Sura Käs aus Vorarlberg.

    Und dann begegnen wir Ahmet Zavlak, einem Sozialarbeiter der Brunnenpassage. Er veranstaltet für den KunstSozialRaum Kunstprojekte für Menschen unterschiedlicher Herkunft. Ahmet lädt uns zum Tee ein und erzählt von seinem bewegten Leben. Davon, als er nach Wien kam und niemanden kannte und von seinen ersten Erlebnissen in dieser wilden Stadt. Täglich treffen sich in der Brunnenpassage Menschen, um gemeinsam zu proben, zu produzieren und auf der Bühne zu stehen. Die Brunnenpassage sieht das Recht auf Kunst und Kultur als Menschenrecht. Kunst, wie Ahmet meint, ermöglicht den Menschen, die eigene Identität zu finden und auszuleben. Er setzt sich persönlich für mehr Vertrauen, mehr Solidarität und für mehr Feinfühligkeit im Miteinander ein. Das finden die URB`s wirklich großartig und also sehr urbig!!!

    Der Brunnenmarkt ist ein gelungenes Beispiel für Integration und Zusammenleben, vor allem oder gerade weil hier auch jüngere Leute herkommen, die keine Scheu und keine Berührungsängste haben, mit Ausländern zusammenzuleben und so konnte hier eine gute Durchmischung stattfinden.

    Wer also nicht schick sein muss, um sich wohl zu fühlen, wer wildes urbiges Flair mag, der besuche doch unbedingt mal (wieder) den Brunnenmarkt!

    Google-Maps

    UMGEBUNGSTIPPS

    Vietnamesisches Restaurant Saigon
    16., Neulerchenfelder Straße 37
    Öffnungszeiten
    Montag bis Sonntag von 11:30 bis 22:00
    Warme Küche durchgehend bis 22:00
    Kein Ruhetag
    http://www.saigon.co.at/

    Restaurant Kent
    16., Brunnengasse 67
    Öffnungszeiten Restaurant
    täglich von 6:00 – 2:00 Uhr
    Im Garten von 9:00 – 22:00 Uhr
    http://www.kent-restaurant.at

    Fleischerei Paul Horvath
    16., Weyprechtgasse 5

    http://www.horvath-fleisch.at/

    STAUD'S GmbH
    16., Hubergasse 3
    http://stauds.com

    Cafe C.I.
    16., Payergasse 14
    http://www.cic.at.tf

    KunstSozialRaum/Brunnenpassage
    16., Brunnengasse 71/Yppenplatz
    http://www.brunnenpassage.at

    BUCHTIPP
    Gruber geht
    von Doris Knecht, erschienen bei Rowohlt Berlin
    Buchpräsentation am 23. März mit Grissemann, Hörmanseder, Rubey, Pertramer, Just und der Autorin.
    Ort: Rabenhof 
    1030, Rabengasse 3
    Beginn: 20:00 Uhr 

     

    Von: Doris Rittberger

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