Gregor geht!
..Neue Wege gehen - mit Gregor on Tour, Teil 1
WildUrb wird Gregor Sieböck auf seinem Weg durch Lateinamerika begleiten und in unregelmäßigen Abständen Texte und Bilder von seiner Reise veröffentlichen. Wie es ihm auf seiner Tour geht und welche Erlebnisse er haben wird, das erfährt ihr hier ab Anfang Dezember 2010. Und weil das noch so lange dauert, dürfen wir hier eine Erzählung von seiner Pilgerwanderung nachlesen.
WildUrb wird Gregor Sieböck auf seinem Weg durch Lateinamerika begleiten und in unregelmäßigen Abständen Texte und Bilder von seiner Reise veröffentlichen. Wie es ihm auf seiner Tour geht und welche Erlebnisse er haben wird, das erfährt ihr hier ab Anfang Dezember. Und weil das noch so lange dauert, dürfen wir hier eine Erzählung von seiner Pilgerwanderung nachlesen....
Der Sturm peitschte mir den Regen ins Gesicht und immer wieder blies mich eine Böe in Richtung Straßengraben. Ich lehnte mich gegen die Wand aus Sturm und Wasser, da entdeckte ich einige hundert Meter vor mir zwei andere Pilger. Ihre Ponchos flatterten im Wind. „Also sind auch doch noch andere unterwegs bei diesem Wetter, ich bin nicht der einzige Verrückte.“ Verrückt…kaum hatte ich diesen Gedanken zu Ende gedacht, wurde ich auch schon wieder von einer neuen Sturmböe im wahrsten Sinne des Wortes verrückt und von der Strecke gepustet. „Ist es nicht gut immer wieder bekannte Wege zu verlassen?“
Naja, zum Philosophieren blieb nun wirklich keine Kraft übrig, ich versuchte vorwärts zu kommen. Einige hundert Meter vor mit wuchsen Bäume am Wegesrand und ich hoffte, dass sie den Sturm abhielten. Ich kam gut voran und bald schloss ich zu den anderen Wanderern auf. Ich rief der Lady ein „Buenos dias“ zu und als ich einige Meter weiter vorne ihren eingehüllten Ehemann überholte, warf er mir ein fröhliches „BUEN CAMINO!“ zu.
Wow, was doch zwei Worte ausmachen können?! – Es schüttete in Strömen und wir wünschten einander einen guten Weg - die einzigen Worte, die wir wechselten, aber sie gingen mir in diesem Augenblick direkt zum Herzen, sodass ich nun leichten Schrittes weiter zog. Dabei kam mir sogar der Gedanke, dass alleine diese kleine Geste es wert war, wieder in die Welt hinauszuziehen und sich auf Pilgerwanderung zu begeben. Ach ist das Leben schön, und gerade „der Gott der kleinen Dinge“ gab mir die Kraft auch große Herausforderungen zu meistern und nicht aufzugeben.
Vor genau sieben Jahren wanderte ich zu Fuß von Bad Ischl nach Santiago de Compostela. Damals war mir noch nicht klar, wie sehr mich dieser Pilgerweg verändern würde. Noch Jahre später schwang sein magischer Geist nach und von all’ den vielen Wegen, die ich in meinem Leben gegangen bin, war der Camino einer jener, der mich am meisten dazu angeregt hat, auch im alltäglichen Leben neue Wege einzuschlagen.
Als ich schließlich davon hörte, dass heuer ein heiliges Pilgerjahr ist (der Jakobustag am 25. Juli fällt auf einen Sonntag - das nächste heilige Jahr ist erst wieder 2021) und deshalb die Purta Santa, die heilige Pforte, in Santiago offen sei, war es klar: ich würde meine neue Wegkreuzungstour in die Welt hinaus wieder mit einer Pilgerwanderung nach Santiago beginnen. Diesmal suchte ich mir allerdings andere Wege aus, um nach Santiago zu gelangen.
Ich reiste mit Zug und Bus nach Oviedo, von wo der eher unbekannte Camino Primitivo beginnt und dann die asturischen und galizischen Berge durchquert. In Santiago traf ich liebe Freunde und wir besuchten Finisterre zusammen und dann wanderte ich noch mit Margit den noch weniger begangenen Camino de Faro - den Leuchtturmweg - von A Coruña in den Süden zum Jakobusgrab.
Der Generalstreik in Spanien machte die Anreise mit dem Zug zu einem Hürdenlauf. Zuerst wurde mein Zug, den ich von Paris aus gebucht hatte ersatzlos gestrichen, so reiste ich mit einem anderen Nachtzug bis zur Grenze und von dort per Autostop und in Nachtbussen weiter bis Oviedo. Nach 30 Stunden Reise war ich müde, aber glücklich um Mitternacht endlich in Oviedo angekommen zu sein. Am nächsten Morgen stattete ich der Kathedrale von Oviedo einen Besuch ab und die Tour konnte beginnen.
Wieder einmal begann ich gleich von Anfang an, mit meinen Grenzen zu spielen: erster Tag: 41 Kilometer, denn 46 km mit 1600 Höhenmeter bergauf und 1800 bergab, und am dritten Tag auch noch 45 km. Ich hatte für die Tour nicht trainiert (bzw. war das einzige Training, dass ich auch im Alltag viel gehe, da ich kein Auto habe), doch ich merkte, dass in meinen Körperzellen wohl irgendwo gespeichert sein musste, dass ich solche Tagesetappen schon vorher geschafft hatte und so gelang es auch diesmal.
Es macht mir immer wieder eine Freude im Leben, den eigenen, scheinbaren Grenzen spielerisch zu begegnen. Fortan war ich dann aber langsamer unterwegs, denn am Abend des dritten Wandertages, als ich erschöpft in der Herberge ankam, traf ich Chris, David und Daniel, die auch nach Santiago unterwegs waren....
Fortsetzung demnächst hier online!
Gregor geht!
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Gregor geht!, News, 21.02.2011
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