News, UrbTV, 20.12.2010

Michael Diewald`s Blüten zum Vernaschen.

    Essbare Blüten und Wildkräuter sind zwar ein klassisches Frühlingsthema, doch die Urb`s geben euch hier einen Weihnachtsgeschenketipp der Extraklasse. Es handelt sich um eine Mischung aus Blumenstrauß und Pralinenschachtel. Was aber ist das genau, was Michael Diewald, Wildkräuterwanderer, Aromaforscher und Konfektmacher, sowie 
Initiator und Geschäftsführer des Blühenden Konfekt
    in seiner kleinen Werkstatt im 6. Bezirk fabriziert?

    Google-Maps

    Blumen in Schachteln? Nein. Pralinenblumen? Auch nicht! Es ist – hört, hört: blühendes Konfekt... mit viel Liebe hergestellt, von Hand gepflückt. Alles hat damit begonnen, dass Michael Diewald wissen wollte, was es an wildem Essbarem da draußen so alles gibt und es ihn brennend interessierte, was da am Wegesrand alles wächst. Früher hat er nämlich auch Wanderungen für Gruppen angeboten und dabei die Liebe zum Gehen, am Wandern, daran, während des Gehens die Dinge, die hier sind, denen wir nicht entGEHEN beim Gehen für sich entdeckt. Außerdem hat er schon als Kind gerne Blumen gesucht, sie bestimmt und gegartelt. Als Erwachsener entdeckt er diese Liebe zur Natur wieder und beschließt, Konfekt aus Blumen herzustellen.

    Die ersten Hollerblüten hat Michael Diewald beim Ferienhaus seines Großvaters am Land gefunden. Ein Wiener mit Ferienhaus war sein Großvater, erzählt er uns. Und dort am Bach sind die Hollerstauden besonders üppig gewachsen. Bei der Oma hat es immer Hollerblüten im Backteig gegeben und Michael dachte sich, er könnte doch mit diesen Blüten auch etwas ausprobieren. Die ersten Experimente waren ein selbstgemachter Hollersirup und Erdbeermarmelade mit Hollerblüten drin. So denkt er sich, müsste es Hollerblüten ja auch in Wien reichlich geben und merkt, dass er gar nicht aufs Land hinaus zu fahren braucht.

    Nur wo sind die besonderen Plätze? Wo wächst all der Reichtum? Was ist essbar, was nicht? Wo kommen die Hunde nicht hin, wo ist es trocken oder eben feucht, je nach Vorlieben der jeweiligen Blüten und Pflanzen? Wann ist die beste Zeit zum Ernten? Und das alles mitten in der City, naturbelassen und extravagant zugleich - absolutely urbig! 

    Aber die große Frage, die Michael Diewald schon früh beschäftigte war: welche Pflanzen eignen sich dafür, Konfekt daraus zu machen? Dabei hat er alle möglichen anderen essbaren Pflanzen entdeckt: Föhrenblüten zum Beispiel. Sie sind recht unscheinbar und hätte er sie nicht fürs Konfekt gebraucht, wäre er nie drauf gekommen, dass man damit etwas machen kann.

    Oder Bärlauchblüten (zwar nicht für Konfekt geeignet, aber wunderbar für Salate u.a.). Die findet man zwar häufiger auch in der Stadt, man kann sie aber meist nicht verwenden, weil sie an hundefreundlichen Stellen wachsen. Deshalb wandert Michael dafür extra nach Schönbrunn, wo Hunden der Zutritt verwehrt bleibt.

    Veilchen sind schwer zu finden. Es gibt sie aber, verrät uns Michael. Seine erste Veilchenstelle war ein aufgelassener Schrebergarten zwischen Hernals und Gersthof. Da gab es früher ganz kleine Grundstücke. Und auf einer der Wiesen dort, wachsen Massen an Veilchen. 

    Michael Diewald weiß heute, es gibt alles reichlich! Wir leben in einer Welt der Fülle. Man muss nur genau hinschauen, meint er, weil die Pflanzen in der Stadt mehr Läuse haben als am Land. Richtig gelesen! Auch Pflanzen haben Stress. In der Stadt mehr, auch wegen der Abgase.

    Beim Pflücken sind die Begegnungen mit anderen Menschen manchmal lustig, manchmal eher unangenehm. Meistens können die Leute mit dem, was Michael da tut, wenn er es tut, nichts anfangen. Oder es ist sicher ein Obdachloser, den Michael in seinem Übernachtungsquartier stört bzw. den er in seiner zeitweiligen Privatwohnung unabsichtlich überrascht. Wenn er aber an einer bestimmten Hecke an der Vorortelinie unterwegs ist, um wild wachsendes Geisblatt zu sammeln (blüht bereits im Jänner und Februar) gibt es doch die eine oder andere kurze Unterhaltung mit neugierigen Passanten.

    Um Konfekt zu machen, braucht man keine großen Mengen, sondern eher eine große Vielfalt an verschiedenen Arten von Pflanzen. Mit einer Handvoll bzw. einem kleinen Nylonsackerl voll, kann Michael Diewald in seiner Werkstatt mit angeschlossenem Geschäft in der Schmalzhofgasse schon einiges anstellen. Fast 2 Stunden Pflückzeit muss man einkalkulieren, um beispielsweise einen halben Liter Veilchen zu bekommen, vorausgesetzt man findet eine gute Stelle zum Pflücken ;-)

    Die wildesten unter den Früchten sind:

    Schlehe & Limette
    
Eberesche und Rose

    Holler & Rosmarin

    Preiselbeere & Wildthymian
    
Sanddorn & Orangenminze

    ... und die winterlichsten Schokoladen:

    Schönbrunner Orangenblüten

    Chili und Zitrone
    
Bergamotte und Kamille
    
Rosenweihrauch und Grapefruit

    Fingerlimette und Rose
    
Himbeere und Zimtblüten

    Das Konfekt machen geht einfach, meint Michael Diewald. Er erklärt uns das exklusiv im UrbTV - Interview. Wer nicht bis zum nächsten Frühling warten mag, um es selbst auszuprobieren, dem raten die Urb`s: hinGEHEN (Blühendes Konfekt, Schmalzhofgasse 19, 1060 Wien) und kosten. Verschicken kann man die sensiblen Kostbarkeiten nämlich nicht. Und wer noch ein passendes Geschenk für die Liebste, für Oma oder Muttchen sucht, here it is...

    By: Doris Rittberger

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