News, UrbTV, 06.12.2010

Franz Galla und die Wiener Bergwelt.

    Kennengelernt haben die Urb`s den Herrn Rechtsanwalt Franz Galla wegen der vielen rechtlichen Dinge, die es bei so einer Plattform wie www.wildurb.at zu berücksichtigen gilt. Und wie sich herausstellte, ist er selbst ein WildUrb. Wir haben ihn begleitet auf den Maurerberg - seinem „magic Place“, wie er uns erzählt. Weil er dort nicht nur sein eigenes Bachbett gebaut hat, sondern dieses auch hegt und pflegt. Immer wieder, wenn er dort ist. Hier an diesem magischen Wiener Plätzchen kann man im übrigen nicht nur feine Wege entdecken, sondern auch wild die urbigen Rodelhügel runtersausen. Hier ein Newsbeitrag über den Maurerberg mit ein paar Gedanken über die Wiener „Bergwelt“ im allgemeinen – vom Meister persönlich:

    »Welche Unebenheiten in Wien schon „Berg“ genannt werden, erstaunt gelegentlich jene Österreicher, die umgeben von richtigen Bergen aufgewachsen sind. So misst etwa der Laaer Berg, der am Südrand Wiens in Favoriten liegt, an seiner höchsten Erhebung stolze 251 Meter. Innsbruck liegt beispielweise auf 574 m Seehöhe. Wenn wir uns nun dem „Berg“ dieses Beitrages nähern wollen, überqueren wir einen weiteren bemerkenswerten Berg, den „Grünen Berg“. Denn wollen wir – aus der Stadt über die Wienzeile kommend – Richtung Mauer, so fahren wir über die Grünbergstraße östlich am Schönbrunner Schlosspark vorbei. 

    Ich habe mich schon oft gefragt, warum diese Gegend „Grüner Berg“ genannt wird, denn einerseits ist es dort nicht bemerkenswert grün und andererseits ist an dieser Stelle einfach nur einer der beiden Hänge des Wientals, die sich – gegen die Mündung zum Donaukanal hin natürlich immer flacher werdend – vom Westen ausgehend über das ganze westliche Stadtgebiet ziehen, nur gelegentlich unterbrochen durch einmündende Bäche. Meine Recherche hat mir Klarheit gebracht, und hier ist die Enthüllung des grünen Mysteriums: Seinen Namen erhielt der Grüne Berg durch Josef Freiherr von Hagenmüller zu Grünberg, einem Gerichtsadvokaten.

    Offensichtlicher ist da schon die Namensgebung des Roten Bergs, der in Ober St. Veit an der Grenze zu Lainz gelegen ist: Seinen Namen erhielt dieser Berg durch die rote Erde, die einen hohen Anteil an Eisenoxid aufweist. Und mit seinen 262 Metern stellt er den Laaer Berg schon etwas in den Schatten (bloß, der Laaer Berg ist zu weit entfernt, um den Schatten zu merken).

    Was nun über den „Maurerberg“ zu sagen ist: Dass es ihn an sich nicht gibt. Manche Stadtpläne siedeln ihn zwar zwischen Rodaunerstraße und Kalksburgerstraße an, in einem Plan von Mauer aus dem Jahr 1872 findet sich dieser Name aber nicht. Um zum Ausgangspunkt zu gelangen, fahren wir einfach die Anton-Krieger-Gasse bergauf, bis wir auf die Kalksburgerstraße stoßen. Dort ist eine jener Stellen, wo der Wiener die Endlichkeit Wiens erkennen muss, denn jenseits der Kalksburgerstraße sind nur mehr Wald und Wiese.

    Wir befinden uns dort auf 322 Metern Seehöhe und blicken, mit der Anton-Krieger-Gasse im Rücken, nach Westen. Die Seehöhe macht die Qualifikation als Berg ein klein wenig angenehmer, und man spricht hier vom Georgen Berg (1872 noch St. Georgen Berg bezeichnet). Die Wiese, die sich nach Westen erschließt, wird im Winter als Rodelwiese genutzt. Etwas weiter im Westen ist der Pappelteich, und ein erfolgreicher Ausflug braucht eine Einkehrmöglichkeit, welche sich auf dem 363 Meter hohen Wilden Berg erschließt, der rund einen Kilometer in nordwestlicher Richtung gelegen ist. Am Wilden Berg befand sich ein seit 1834 verwendeter Schießplatz für die beiden Kasernen in Mauer, die 1918 abgerissen wurden. Daher ist es naheliegend, warum sich die Gastwirtschaft am Wilden Berg „Zur Schießstätte“ nennt. Am Weg dorthin, vom Pappelteich kommend, lohnt sich auf der Antonshöhe ein kurzer Besuch bei einem Steinbruch, der schon in der Jungsteinzeit Rohmaterial für die Herstellung von Werkzeugen lieferte. Nach der Art der Verfüllung der Abbauschächte dürften diese in der Zeit der Lengyel-Kultur (4.750 - 3.900 v. Chr.) angelegt worden sein.

    Will man nach erfolgter Stärkung nicht gleich retour, sondern eine Runde machen, so geht man nach Norden, bis man die Mauer des Lainzer Tiergartens erreicht. Wenn man sich dort die Frage stellt, ob Mauer seinen Namen von der Mauer des genannten Tiergartens hat, so hat man diesen Beitrag nicht aufmerksam gelesen. Im Jahre 1114 wird Mauer als „Gereut“ erstmals erwähnt, im Jahre 1210 zum ersten Mal als „Muer“. Die Tiergartenmauer geht jedoch auf Josef II. zurück. Mit der Errichtung der 24,2 km langen Steinmauer wurde Baumeister Philipp Schlucker beauftragt. Dieser hatte sich jedoch bei der Kalkulation der Baukosten schwer verrechnet und musste die Mauer zwischen 1782 und 1787 um ein Honorar weit unter den tatsächlichen Kosten fertigstellen. Von dieser Begebenheit soll sich der Ausspruch „Armer Schlucker“ ableiten.

    Wenn wir der Mauer entlang nach Osten wandern, werden wir früher oder später zur Wittgensteinstraße stoßen. Um jedoch Wald und Wiese treu zu bleiben, wenden wir uns nach Südwesten und marschieren, teilweise über die zweite Wiener Hochquell-Wasserleitung, zurück zum Georgen Berg. Nach Überquerung der Maurer-Lange-Gasse kommen wir in ein Gebiet, das der Plan aus 1872 „Maurer Lust“ nennt. Bevor wir zum Ausgangspunkt zurück gelangen, bietet sich noch eine kleine Besichtigung der Wotruba-Kirche an, die – ein wenig versteckt – auf dem Georgenberg errichtet wurde.

    Ein kleiner Ausflug in die Welt der Maurer Berge macht, egal zu welchem Wetter, sicher Lust auf mehr!«

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    By: Franz Galla

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