Track, Wien, News

Oide G`schichten.

RuprechtsplatzAugustinerkircheRuprechtskircheTotenbruderschaft

Quer durch das Herz von Wien, umgeben von den Auren der Vergangenheit.

Herausforderung: 1 (Sandale)
Rundwanderung: Innenstadt über Josefsplatz, Ballgasse, Stephans- und Schwedenplatz
Länge: 3,51km
Startpunkt: Michaelerplatz (1010 Wien)
Koordinaten: 48°12'28.60"N, 16°22'1.16"E
Öffis: U3 > Station Herrengasse
(5min. Fußweg zum Ausgangspunkt)

TRACKBESCHREIBUNG
Urbs durchforsten alles. Diesmal ist es die »Innere Stadt« sozusagen das Herz von Wien, das kräftig und schnell pocht. Reges Leben schlängelt sich durch die Hauptschlagadern und die vielsprachige Geräuschkulisse, die von regelmäßigen Hufklängen begleitet wird, rauscht sanft bis in die kleinste Seitenarterie. Ein Hauch von Mystik fließt durch Vor- und Hinterhöfe historischer Bauten, uralte Geschichten klammern an den kräftigen Wänden und der Hauch eines vergangenen Jahrhunderts durchströmt die starken Herzkranzgefäße. Solange bis dieser sich durch die Klappen am Ring in die umliegenden Organe verteilt und sich dort langsam verflüchtigt.

Dieser Track dringt tief in dieses alte »Wiener Herz« ein und mit einem bisschen Feingefühl, lässt sich so manche vergangene Begebenheit oder Legende erahnen. Für das Erleben dieser Tour ist es von Vorteil, bei Nebel oder bei beginnender Dämmerung, mit einem Sagenbuch im Rucksack los zu gehen, um ganz eintauchen zu können.

GPS Link
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TRACKVERLAUF
Am Michaelerplatz befindet sich nicht nur eine Grabung, die Einblicke in die römische Zeit des Platzes erlaubt, sondern auch die unscheinbare Michaelerkirche. Der Schein trügt, denn unter den Gewölben befindet sich die wohl unheimlichste Gruft Wiens. Die konstante Temperatur unter der Erde hat einige der Leichen mumifiziert und diese blicken nun die Besucher aus offenen Särgen an.

Weiter geht es durch die Reitschulgasse zum Josefsplatz. Hier durch die Pforten der Augustinerkirche treten, an dem pyramidenförmigen Canovadenkmal – man beachte sein Grabtor ins Totenreich – vorbei, zur Loretokapelle, die 1784 in den Untergrund verlegt wurde. Schon der Eingang – bemalt mit Totenköpfen – lässt erahnen, dass hier an ihrer Stelle einst die Wiener Totenbruderschaft ihren Sitz hatte. Die angrenzende »Herzerlgruft« beherbergt 56 Herzen von Habsburgern, die in Urnen aufbewahrt werden. Wieder vor der Kirche, geht es nun in die Augustinerstaße über den Lobkowitzplatz in die Gluckgasse, an deren Ende sich die Kaisergruft befindet. Wer noch nicht genug hat von Untergründen, findet hier die prachtvollen Sarkophage mit den sterblichen Hüllen der Habsburger (ohne Herzen & Eingeweiden). Das prunkvollste Mausoleum ist, wie könnte es anders sein, die Maria Theresien Gruft. Nun den Neuen Markt passieren – in die Donnergasse einbiegen, dann die Kärntner Straße überqueren, damit man in der Himmelpfortgasse landet. Gleich links geht es zur Rauhensteingasse.

Bei Nr. 10 stand ein Gebäude, das den Namen »Malefiz-Spitzbubenhaus« trug. Leider ist nichts mehr davon erhalten, denn ein Konsumtempel steht an seiner Stelle. Welch Ironie, wenn man bedenkt, dass hier einst Wiens grausamstes Gefängnis stand. Jetzt rechts in die Ballgasse spazieren, eine der innerstädtischen Gassen, die ihren mystischen Reiz noch in den Mauern trägt. Ebenso wie die reizvollen Innenhöfe der Singerstrasse 7, 16 und der Blutgasse 3 (Pawlatschenhäuser), die über den Franziskanerplatz erreicht werden. Von der Blutgasse nun links in die Domgasse, geradeaus durch die Passage bis zum Stephansplatz und durch das Seitenportal (Bischofstor) in den Stephansdom. Hier gibt es nun eine Unzahl an Legenden.

Schon beim Bau des Nordturmes (unvollendet) war der Teufel mit dabei und die Fratzen der dämonischen Wasserspeier grinsen von der Fassade. Im Inneren angekommen, befindet sich links der Abgang zu den Katakomben – der »Totenstadt« unter dem Stephansdom, in der man unter anderem noch ein Einwurfsloch zu einer Pestgrube findet. In der nördlichen Turmhalle begegnet man dem leidenden »Zahnwehhergott«, der angebetet wurde, um Zahnschmerzen zu heilen und in der Nähe der Katharinenkapelle die »Dienstbotenmuttergottes«, die der Sage nach eine Magd vor der Verurteilung gerettet haben soll.

Besonders ist auch das »Hündlein Ohnefurcht«, dass ganz oben auf der Kanzel liegt. Es half Kindern, die Ängste zu überwinden und das Böse fernzuhalten. Durch das Hauptportal (Riesentor) hinausgetreten, befinden sich rechts an der Fassade zwei waagrechte Stangen – die Ellen – die dazu dienten, Maße von gekauften Waren zu überprüfen und links ist »05« in die Mauer geritzt – das Zeichen des österreichischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Interessant am Stephansplatz ist noch der sagenumwobene Stock im Eisen und die Virgilkapelle, die von der U-Bahn Station aus betrachtet werden kann. Weiter geht es in die Rotenturmstaße, dann Lichtensteg über den Hohen Markt (im Mittelalter der wichtigste Ort des Handelns und zusätzlich Hinrichtungsstätte mit Galgen und Pranger) unter der Ankeruhr hindurch in die Judengasse bis zur Ruprechtskirche.

Diese älteste Kirche Wiens, entstand etwa um 800 und steht auf dem Boden des ehemaligen, römischen Vindobona. Ihr Inneres ist sehr schlicht, aber atmosphärisch sehr reizvoll, schließlich sind ihre Mauern, die ältesten der Stadt, die noch benutzt werden. Nun zurück in die Seitenstettengasse, dann rechts in den Rabensteig.

Mit diesem Eck hat es eine besondere Bewandtnis, denn es lag einst direkt an der Donau und aufgrund einer leichten Biegung des Flusses, wurden hier regelmäßig Wasserleichen angespült, die den Wiener Wäscherinnen ins »Tuch« gingen. Nun links in den Fleischmarkt, dann über die Köllnerhof- und Sonnenfelsgasse in die Schönlaternengasse. Hier finden wir bei Nr. 7 das legendenbehaftete Basiliskenhaus. Am Ende der Gasse, rechts in den Fleischmarkt biegen und schon sind wir beim Griechenbeisl, eine der ältesten Gaststätten Wiens, mit dem lieben Augustin im Keller ;-) Anschließend die kleine Griechengasse hinunter bis zum Schwedenplatz und nun ist es Zeit aus der Vergangenheit aufzutauchen.

UMGEBUNGSTIPPS

Führungen Michaelergruft
Ostern - Ende Oktober 
Montag - Samstag: 11:00 bis 13:30 
oder Privatführung 0650/5338003 (min. 6 Teilnehmer)
1010 Wien, Habsburgergasse 12

Öffnungszeiten Herzgruft
Sonn- und Feiertags nach der Messe
siehe www.augustinerkirche.at
1010 Wien, Augustinerstraße 3

Öffnungszeiten Kaisergruft
Täglich von 10:00 bis 18:00
(1. und 2. November geschlossen)
1010 Wien, Tegetthoffstraße 2

Öffnungszeiten Ruprechtskirche
Montag - Donnerstag 10:00 bis 12:00
Montag, Mittwoch, Freitag: 15:00 bis 17:00
1010 Wien, Seitenstettengasse 5

Von: Jine Knapp

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  • , 21.11.2010

    für einen daumenknochen war das gebein leicht überdimensioniert, vielleicht wars aber auch ein sehr erfolgreicher dieb. vergraben habe ich den knochen in unkenntnis dieser schönen legende leider nicht, sondern gegen ein pornoheft eingetauscht. der große reichtum ist mir daher auch bisher verwehrt geblieben. schade, dass es das internet damals noch nicht gab, sonst könnte ich mir heute vielleich mit helmut elsner eine zelle teilen. aber was nicht ist, kann ja noch werden. so ein knochen wird jedenfalls geholt! mein vorposter hat mich überzeugt. danke für den unbezahlbaren tipp!

  • , 18.11.2010

    Hoffentlich hast du den Daumenknochen eines Diebes erwischt, denn laut meiner Recherche war das im 17.Jhd ein begehrtes Relikt um den eigenen Reichtum zu vermehren...;-) Unter der Eingangstür vergraben – mehr Kunden, in die Brieftasche gesteckt – mehr Geld! Danke für die Komplimente.

  • , 18.11.2010

    Stimmt, super für dieses Wetter, bin auch den Track gegangen und festgestellt, das die Innenstadt die reinste Nekropole ist! Gratulation. Das mit dem Knochen ist genial, brauch auch einen!!!

  • , 18.11.2010

    Schön morbid, diese Runde und passt prächtig zum Grau der schaurigen Herbstnebel. Aus den Katakomben habe ich bei einer Schulexkursion dereinst übrigens einen Knochen entwendet. Ich glaube es war ein Wadenbein - ich sollte mir das alles wieder einmal ansehen.

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